Sozialwissenschaften

Das Fach Sozialwissenschaften

Im Zeitalter der modernen Wissensgesellschaft werden spezifische Herausforderungen an das Individuum gestellt. Dazu zählen die digitale Verarbeitung von Informationen, die Teilhabe an einer vernetzten Welt sowie Möglichkeiten und Risiken, auf dem eigenen Lebensweg individuelle Entscheidungen hinsichtlich Beruf und Lebensstil zu treffen. Daher bedarf es in der eigenen Lebenswelt sozialwissenschaftlicher Orientierung. Ganz besonders stehen dabei Fragen des nachhaltigen Konsums, der Aushandlung von individuellen im Gegensatz zu gesellschaftlichen Interessen und vor allem die kritische Reflexion und Bewertung persönlichen und gesellschaftlichen Handelns im Fokus.

Jeder Einzelne, auch der Heranwachsende, entwickelt seine eigenen Wertmaßstäbe diesbezüglich. Dafür ist es insbesondere die Aufgabe des Fachs „Wirtschaft-Politik/Sozialwissenschaften“ das Verstehen der Wirklichkeit sowie gesellschaftlich wirksamer Strukturen und Prozesse zu ermöglichen und die Mitwirkung in demokratisch verfassten Gemeinwesen zu unterstützen (vgl. Kernlehrplan Wirtschaft-Politik für das Gymnasium – Sekundarstufe I in NRW, Düsseldorf 2019, S.8). Besonderes Hauptaugenmerk liegt also auf der Stärkung des Einzelnen, bei gleichzeitiger Integration in die Gruppe zu einem gelingenden Ganzen, wobei sowohl die Perspektive des Gemeinwohls als auch die personalen Individualrechte und entsprechende Herausforderungen im Blick bleiben.  

Sozialwissenschaften am Josef-Albers-Gymnasium

Im Zuge einer fortschreitenden Entwicklung des hausinternen Lehrplans im Fach Wirtschaft-Politik/Sozialwissenschaften am JAG werden die Inhalte des landesweit gültigen Kernlehrplans von den unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrern folgendermaßen umgesetzt:

Zunächst wird in der Jahrgangsstufe Fünf ein erster Zugriff auf das große Thema „Demokratie Lernen“ entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler erleben die Annäherung über die neue Klasse, die Schülervertretung und die Schule als erste Instanzen von politischen Prozessen (Diskutieren, Beurteilen, Entscheiden, Gestalten). Danach wird sich auch bereits in der 5. Klasse dem Thema des Wirtschaftens gewidmet, konkret mit dem Thema vom Umgang mit Geld. Im zweiten Halbjahr liegt der Fokus dann auf dem Zusammenleben in Familie hier und in anderen Teilen der Welt. Weiter wird der kritische Umgang mit Medien und beispielsweise die eigene Handynutzung thematisiert. Somit werden bereits in der untersten Jahrgangsstufe am Gymnasium alle drei Bereiche des Faches aufgegriffen: die Politik, die Wirtschaft und die Gesellschaft. Angelehnt an das Kerncurriculum für Wirtschaft-Politik werden in der Jahrgangsstufe Sechs alle thematisierten Bereiche des Faches unter einem anderen Fokus erneut aufgegriffen, die Themen sind unter anderem: Kinderarmut und Kinderrechte, Kinder als Verbraucher einschließlich ihrer Verbraucherrechte, der Umgang mit Informationsmedien und die eigene Mitwirkung in einer Gemeinde. 

Das Aufgreifen der drei Kernbereiche des Faches Wirtschaft-Politik setzt sich in der Sekundarstufe weiter fort. Die einzelnen Themenbereiche werden dabei immer komplexer und inhaltlich tiefergehender behandelt. 

Unabhängig von der unterrichtlichen Umsetzung können interessierte Personen online auf interaktives Lernmaterial beispielsweise von HANISAULAND zugreifen. Die Website, betrieben von der Bundeszentrale für politische Bildung, passt Unterrichtsinhalte des Faches speziell für jüngere Schülerinnen und Schüler an. (https://www.hanisauland.de/

Ab der Jahrgangsstufe Acht erfolgt zusätzlich in dem Fach eine Einbindung in das landesweite KAoA-Programm (Kein Abschluss ohne Anschluss: https://www.bottrop.de/kinder-und-schule/von-der-schule-zum-beruf/kein-abschluss-ohne-anschluss/Infos_Projekt/infos-zum-projekt.php). Im Rahmen dieser Berufs- und Studienorientierung ist es Aufgabe von Wirtschaft-Politik, die Schülerinnen und Schüler in dieser Orientierung zu unterstützen. So wird der „Berufswahlpass NRW“ schrittweise bearbeitet und unterrichtlich beispielsweise eine Potenzialanalyse vor- und nachbearbeitet. Dasselbe erfolgt mit den Berufsfelderkundungstagen. Der Hauptbestandteil der Jahrgangsstufe Neun ist daran anknüpfend das dem Politikunterricht thematisch zugedachte Betriebspraktikum als Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Es gilt, grundsätzliche Rahmenbedingungen (Rechtsform, betriebliche Mitbestimmung, Merkmale der Arbeitswelt, etc.) zu verstehen und auch die inhaltlichen und formalen Anforderungen des Praktikumsberichts kennenzulernen. Thematisch kommt zusätzlich mit dem Schwerpunkt der Europäischen Union als politischem Gebilde die Internationalität des Faches hinzu. In dieser Weise versuchen wir am JAG, den inhaltlichen Erfordernissen pädagogisch auf handlungs- und erlebnisorientierte Weise zu begegnen.

In der Oberstufe wird im Vergleich zur Unter- und Mittelstufe der Schwerpunkt vermehrt auf die Vorbereitung auf das wissenschaftliche Arbeiten gelegt, d.h. entsprechende Fachmethoden, strukturierte Analysen und kriteriengeleitete Beurteilungen von Sachfragen stehen im Vordergrund der Unterrichtspraxis und bilden die Basis des Wissenserwerbs. Auch eigene Recherchen und Auseinandersetzungen mit aktuellen Thematiken des Faches finden beispielsweise mit der Website der Bundeszentrale für politische Bildung statt (https://www.bpb.de/). 

Abstrakter formuliert geht die unterrichtliche Behandlung eines Themas den Weg von einem konkreten Anlass aus, um dann die jeweiligen Rahmenbedingungen und spezifischen Inhalte einer Fragestellung zu erarbeiten und diese anschließend zu klären. Dabei gilt die individuelle Meinungsbildung als maßgebliches Lernziel. Diese Zielsetzung birgt eine gewisse Offenheit, die hinsichtlich allgemein verbindlicher Ergebnisse letztlich nicht vollständig aufgelöst werden kann. Der Unterricht soll also weniger als „Meinungsmacher“ (im Sinne von vorgegebenen und erwünschten oder unerwünschten Positionen) dienen, vielmehr qualifiziert er durch seriöse Argumentation sinnvolle bzw. nachvollziehbare Meinungsangebote und soll haltlose oder wenig fundierte Meinungen entlarven. Anders gesagt ist das Zustandekommen einer Beurteilung, d.h. die Methodik (Wie komme ich zu dieser Position? Worauf stütze ich meine Aussage? etc.) die Grundlage dafür, die eigene Meinung kritisch und konstruktiv zu hinterfragen und die eigene Urteilsschärfe dadurch zu verbessern und letztendlich auch diesbezüglich als mündiger Bürger zu handeln.  

Schulinterne Lehrpläne für das Fach Sozialwissenschaften